Oum

Morocco
„Rhythmisches Feuer, Stimmgewalt, melodische Kraft sowie die vielfältigen musikalischen Wurzeln, die immer wieder durchschlagen, entstammen ganz klar orientalischen Zusammenhängen, schlagen jedoch einen weit greifenden Brückenbogen in Richtung Okzident. “
Jazzthetik

Artist information

Knapp ein Jahr nach ihrem ersten Album veröffentlicht die marokkanische Sängerin OUM ihr zweites Album “Zarabi” im Feburar 2016 in Deutschland. Zarabi markiert sowohl eine Weiterentwicklung als auch eine Rückbesinnung. Mehr als das Vorgänger-Album greift Oum hier musikalisch auf ihre arabischen Wurzeln zurück. Das Instrumentarium ist akustischer, traditioneller. Es fehlt der Fusion- und Popsound.

Aufgenommen in der marokkanischen Wüste, draußen, nicht im Studio, und inspiriert durch die unglaubliche Schönheit der Landschaft in und um M’hamid El Ghizane, einer kleinen Oasenstadt im Süden Marokkos, nicht unweit der berühmten Sanddünen des Erg Chegaga, dort wo es tagsüber heiß und nachts unglaublich kalt werden kann, präsentiert uns Oum 10 Songs in reduzierter Quartettbesetzung: Bass, Oud, Trompete und Percussion. Es sind ruhige Lieder, atmosphärisch dicht und eindringlich.

Aber obwohl sich Oum wieder auf ihre marokkanische Tradition bezieht, so zum Beispiel auf die maghrebinische Gnawa-Tradition mit ihren hypnothischen, tranceartigen Rhythmen, die seinerzeit auch Bill Laswell und Jimmy Page inspirierten, oder auf die sich vor allem in den poetischen Texten zeigenden Hassani-Tradition des Grenzgebietes zwischen Marokko und Mauretanien, ist

es kein arabisches Album. Oum bleibt ihrem modernen Fusion-Ansatz treu, aber nicht indem sie die Musik in einen modernen Popsound kleidet, sondern indem sie ihre marokkanischen Wurzeln auf sehr stimmige Weise musikalisch mit Elementen des Jazz und der spanischen Musikkultur verbindet. Grundlage bleibt immer der gesetzte akustische Sound ihres Quartetts, welch es man sehr gut als “arabisches Jazzquartett” bezeichnen kann. Eine besondere Farbe verleiht dem Ganzen neben der von Yacir Rami gespielten Oud der kubanische Jazztrompeter Yelfris Valdes, und das nicht nur in Oums Cover von Maria Teresa Veras “Veinte Anos”, bekannt aus dem Buena Vista Social Club, sondern auch gerade in den schönen, tranceartigen arabischen Titeln wie ”Lila” und “Hna”.

Die meisten Songs des Albums schrieb Oums selbst zusammen mit Yacir Rami. Thematisch besonders interessant ist ihre Ode an die Frauen “Ah Wah”. Und damit sind wir beim zentralen Thema des Albums. Es geht um Frauen in der arabischen Kultur. “Ah Wah” liegt ein traditioneller marokkanischer Text zugrunde, von Oum vertont, in dem es um bedingungslose Liebe jenseits der Konvention, jenseits dessen, was Familie und Freunde sagen werden, geht. Bemerkenswert ist, dass der Text im dazugehörigen Video nur von Frauen in ihrer traditionellen Kleidung gesungen wird. Oum deutet hier auf die tiefere Rolle, die die Frauen in der arabischen, z.T. vorislamischen Kultur der Beduinen spielen.

Neben dem Thema Frauen ist “Erinnerung” ein wichtiger Aspekt des Albums. Eine Gruppe von Teppich-Weberinnen aus M’hamid El Ghizlan inspirierte Oum besonders. Diese Weberinnen verwenden abgetragene Kleidung von Familien oder einer Gruppe von Freunden, um daraus neue Teppiche herzustellen und so die darin enthaltenen Erinnerungen miteinander zu verbinden und zu bewahren.

Diese Idee zieht sich durch das gesamte Album: Traditionelle Klänge von Oud und arabischen Percussioninstrumenten verbinden sich mit Kontrabass (gezupft oder gestrichen) und Trompete und weben so, zusammen mit Oums Stimme einen musikalischen Teppich der Erinnerungen. Auf diese Weise kreiert Oum aber auch etwas Neues, etwas Fragiles und Kraftvolles, Intensives und Harmonisches.

 

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